Teil I: Backstage – Künstlerinnen aus der zweiten Reihe
Wer sind eigentlich die Frauen, die hinter den Kulissen oder neben den großen und kleinen Stars agieren? Was treibt sie an? Und was machen sie da eigentlich genau? Diesen und viiiielen weiteren Fragen gehe ich im ersten Teil der Reportage »Hinter den Kulissen« nach – bis zum Frühling stelle ich einmal im Monat eine freiberufliche Künstlerin vor.
Scheinwerfer, tobende Fans, der Mittelpunkt jeder Aftershow-Party – perfekt für die Rampensäue dieser Welt. Damit die Frontfrauen, Bandleaderinnen oder Solokünstlerinnen genau das tun können, was ihnen am besten liegt, braucht es dazu noch eine Entourage, die im Hintergrund agiert: Menschen, die die Bühne bauen, den Ton und die Beleuchtung regeln, Make-up auflegen, die Haare stylen, Klamotten entwerfen oder Menschen, die mit schöpferischer Arbeit überhaupt erst dafür sorgen, dass Musik zur Kunst wird, die die Zuhörerinnen später so mitreißt. Um genau diese Menschen und Künstlerinnen aus der zweiten Reihe wird es in dieser Reportage gehen.
Furchtlos habe ich mich auf die Suche gemacht, Fragen gesammelt und mein kleines Dörfchen verlassen, um die Frauen der Musikbranche zu finden und vorzustellen, die häufig viel zu wenig Beachtung finden, obwohl sie aber mal sowas von coole Jobs haben. Was sie tun, wie ihr (Berufs-)Alltag aussieht, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen und vor allem, wer der Mensch hinter der Musikerin ist, habe ich mit gefühlten Squillionen geistreichen und möglicherweise auch seltsam anmutenden Fragen enola-holmes-mäßig herausgefunden.
Coaching, Begleitmusik, Komposition – die Geschichten von zwei völlig unterschiedlichen Frauen
Die Stimme ist das wichtigste Werkzeug für Sängerinnen. Sie muss trainiert, gepflegt und geachtet werden. Birte Villnow ist Wahlhamburgerin und die Geheimwaffe ihrer Klientinnen. Die 35-Jährige, die immer Schoki, Knäckebrot und Kaffee im Schrank hat, sollte mal »irgendwas Soziales« lernen, würde im Kalendersprüche-Zitieren die olympische Goldmedaille gewinnen, während im Hintergrund »Bitter Sweet Symphony« läuft. Für mich ist sie die zweite Alanis, die mit ihren »Perlen« und im Glitzerkleid die A-capella-Szene rockt.

Hi, ich bin Birte, ich bin Sängerin und Vocal Coach. Ich arbeite mit Sängerinnen, die in irgendeiner Form mit der Stimme an ihre Grenzen stoßen – mein Job ist es dann, diese Dinge anzupacken und sie gesangstechnisch so freizukriegen, dass sie sich vollkommen ausdrücken können, in dem, was sie gerne singen möchten.
Birte Villnow
Was haben Grönemeyer, Alice Merton und Vicky Leandros gemein? Sie alle standen mit Kerstin Sund auf der Bühne, die sie an der Gitarre, am Bass oder mit Backing Vocals begleitet hat. Ihre Eltern wünschten sich etwas »Sicheres, Büromäßiges« für die 45-jährige Hamburgerin, die gern Leitern als Kleiderständer nutzt, morgens ihren Bruder im Online-Scrabble besiegt und in der Disziplin »Klugscheißen« alle hinter sich lassen würde. Besonders stolz ist sie darauf, einfach ihren Weg gegangen zu sein, obwohl sie eigentlich eine kleine Schisserin ist.

Hallo, ich bin Kerstin. Ich arbeite als freiberufliche Musikerin – dazu gehören eine Menge verschiedener Sachen: eigene Musik schreiben und aufführen, Platten machen, aber auch Dienstleistungen, also für andere Künstler spielen, auf Tour gehen, im Theater spielen, was nochmal etwas völlig anderes ist als mit Pop-Acts auf der Bühne zu stehen, und auch unterrichten. Das ist ein sehr breit gefächertes Feld.
Kerstin Sund
Der erste Teil der Reportage wird mit einem Beitrag zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Maßnahmen auf die künstlerische Arbeit abschließen – dabei wird aber nicht nur nach den negativen Einschränkungen gefragt, sondern vor allem die Vielfalt kreativer Lösungen aufgezeigt.
Was dich im nächsten Artikel erwartet
Mit Birte Villnow und ihrer Geschichte geht es in der kommenden Woche los – welche Songs sie am stärksten geprägt haben, wer ihre Vorbilder sind und ob sie schon in ihrem Traumjob angekommen ist, erfährst du in der Gilde der Abenteurerinnen.
Fotografien: © Marlen Weller-Menzel